Der Unternehmerverein Bremerhaven-Wesermünde (UVBW) lehnt die geplante Ansiedlung eines Hilton-Hotels in der Bremerhavener Innenstadt ab. Investitionen seien grundsätzlich zu begrüßen, erklärt UVBW-Vorsitzender Jens Grotelüschen. Doch ein weiteres Hotel löse die Probleme des Standorts nicht ansatzweise.
„Investition ist schön und gut. Aber so, wie das jetzt wieder angegangen wird, geht es voll daneben“, sagt Grotelüschen. Schon der Verkauf des städtischen Grundstücks sei problematisch: „Damit gibt die Stadt erneut eine strategisch wichtige Fläche für eine nicht Innenstadt fördernde Nutzung aus der Hand.“
Aus Sicht des UVBW fehlt vor allem eine belastbare Strategie für die Entwicklung der Bremerhavener Hotellerie. Das Tourismuskonzept bilde den tatsächlichen Beherbergungsmarkt nicht vollständig ab. Insbesondere der sogenannte Schwarz- und Graumarkt (nicht genehmigte und/oder registrierte Unterkünfte) werde nicht ausreichend berücksichtigt. Eine Projektarbeit der Hochschule Bremerhaven komme zu dem Ergebnis, dass dieser Bereich mehr als 50 Prozent des Bettenbestands ausmachen könne.
„Wenn wir nicht wissen, wie groß der tatsächliche Markt ist, können wir auch nicht seriös beurteilen, wie viele zusätzliche Hotelbetten Bremerhaven überhaupt braucht“, so Grotelüschen.
Hinzu komme die Frage nach der tatsächlichen Nachfrage. Die jüngsten Zahlen dürften nicht isoliert betrachtet werden. „2025 war mit der SAiL und der Disney Adventure ein absolutes Ausnahmejahr. Ein SAiL-Jahr lässt sich nicht einfach mit einem normalen Jahr vergleichen und schon gar nicht als Beleg für eine dauerhaft steigende Nachfrage heranziehen.“ Statt immer neue Betten zu schaffen, müsse Bremerhaven zunächst dafür sorgen, dass mehr Menschen dauerhaft einen Grund haben, in die Stadt zu kommen und hier zu übernachten. Dazu gehöre die Attraktivierung bestehender Publikumsmagneten ebenso wie die Schaffung neuer touristischer Angebote sowie Projekte und Arbeit. „Ein teures Einzelprojekt wie das NOVO reicht sicher nicht aus, um dauerhaft genügend zusätzliche Nachfrage für immer mehr Hotelbetten zu schaffen“, so Grotelüschen.
„Wenn zusätzliche Hotels gebaut werden, ohne gleichzeitig die Nachfrage zu steigern, verteilen wir die gleichen Gäste nur auf mehr Häuser“, warnt Grotelüschen. Die Folge könnten sinkende Auslastungen und Margen sein. Notwendige Investitionen würden schwieriger, Renovierungsstaus drohten.
Besonders betroffen seien die lokalen und inhabergeführten Betriebe, die dauerhaft in Bremerhaven investieren und hier ihre wirtschaftliche Wertschöpfung erbringen, die Kettenhotels nicht leisten. „Wir brauchen eine Gesamtstrategie für Tourismus, Veranstaltungen, Freizeitangebote und Hotellerie“, fordert Grotelüschen. „Ein neues Hotel kann Teil einer solchen Strategie sein. Aber es kann niemals die Strategie selbst sein.“
